Biblisches Wort des Monats September
Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
Koh 3,13
In einer etwas anderen Übersetzung heißt es im Buch Koholet:
12: Ich hatte erkannt: Es gibt kein in allem Tun gründendes Glück, es sei denn, ein jeder freut sich und so verschafft er sich Glück,
13: wobei zugleich immer, wenn ein Mensch isst und trinkt und durch seinen ganzen Besitz das Glück kennen lernt, das ein Geschenk Gottes ist.
14: Jetzt erkannte ich: Alles, was Gott tut, geschieht in Ewigkeit.
Es ist von Glück die Rede, Glück durch körperliche Freuden wie Essen und Trinken und Glück durch Besitz.
Ich kann mich gut an die Nachkriegszeit erinnern, als wir gehungert und gefroren haben und die Mütter oft nicht wussten, wie sie das Essen für den nächsten Tag herbei schaffen sollten. Damals bedeutete ein Kanten Brot tatsächlich Glück, der beruhigte Magen ließ uns Kinder etwas zufriedener in die Welt gucken. Besitz? Ich besaß eine Puppe mit einer Delle am Kopf und einen grünen Puppenwagen aus Holz, und da ich nichts anderes kannte, war ich auch damit zufrieden. Vom lieben Gott wusste ich damals noch nichts, so kam ich auch nicht auf die Idee, ihm zu danken für die doch sehr bescheidenen Gaben.
Ein voller Bauch und ein gut gefülltes Portemonnaie lassen uns ganz behaglich durchs Leben gehen, aber bezeichnen wir das als Glück? Sehen wir es nicht eher als selbstverständlich an, uns satt essen zu können und ein paar Euro für unnützen Kram springen zu lassen? Ich habe noch nie jemanden erlebt, der vor lauter Glück, eine Hühnerkeule essen zu dürfen, gejubelt und Gott gepriesen hat.
Doch, natürlich kenne ich Leute, die vor jedem Essen beten und danken. Aber ich kenne noch viel mehr, die das nicht tun, nicht vor dem Essen oder nachher, die nur genießen und sich dem Augenblick hingeben möchten. Ist das wirklich verwerflich? Die sich darüber freuen, sich im Rentenalter Dinge leisten zu können, an die im Berufsleben nicht zu denken war. Ist das undankbar?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir unserem Schöpfer einen Gefallen tun, wenn wir bei jeder Tätigkeit, die uns Spaß macht, im Hinterkopf ein schlechtes Gewissen haben. Wenn wir guten Mut haben bei allem, was wir tun, so ist das ein Geschenk Gottes, und das sollten wir so auch annehmen.
Ilse Nußbaum